Meret Schneider – In grüner Mission

TEXT: FLAVIA VON GUNTEN

Anliegen von VeganerInnen gehören nicht zu den populärsten Themen in der Politik. Gegen diese frustrierende Tatsache setzt sich Meret Schneider ein: Als Mitglied der Grünen Partei und Projektleiterin bei Sentience Politics kämpft sie unter anderem für die Verbreitung der veganen Ernährung.

Meret Schneider ist ein Naturmensch. Ihre Kindheit verbrachte sie auf dem Pferderücken und im Hühnergehege. Ihre Zuwendung den Tieren gegenüber hörte jedoch nicht an der Stalltüre auf, im Gegenteil. Von Tür zu Tür zog sie als Schülerin, versuchte mit ihren Argumenten Leute zum Kauf von WWF-Briefmarken zu überzeugen, um Geld für die Rettung bedrohter Arten zu sammeln. Je älter Meret wurde, desto stärker wurde ihr Drang, noch mehr für Natur und Tier zu bewirken. Petitionen unterzeichnen und gezielt Likes auf Facebook verteilen waren ihr zu passiv, die nächste Sektion der Grünen Partei aber lag zu weit entfernt. Die Lösung: Sie gründete die Grüne Partei Zürcher Oberland mit – während ihrer Zeit an der Kantonsschule in Wetzikon. Anstatt Disco und Drinks standen für Meret Dossiers und Dialoge auf dem Programm. Gemeinsam mit Freundinnen, die ebenfalls der Partei angehörten, führte sie im Dorf Standaktionen durch und sammelte Unterschriften für Initiativen.

Mit Initiativen befasst sich die 23-jährige auch heute noch. Nach ihrem Studium der Linguistik, Publizistik und Umweltwissenschaften an der Uni Zürich nahm sie eine Stelle als Projektleiterin Schweiz von Sentience Politics an – einem politischen Think Tank, der sich für eine vegane Ernährung stark macht. Dort entwickelt sie Vorstösse wie zum Beispiel die „Initiative für nachhaltige und faire Ernährung“. In den Kantonen Zürich und Basel konnte diese an das Parlament übergeben werden, in Luzern läuft ab dem 25. September für 72 Stunden die Unterschriftensammlung. Das Dokument fordert die Förderung der pflanzlichen Ernährung: Mensen sollen vegane Menüs anbieten und die Bevölkerung auf die Auswirkungen ihrer Ernährung auf Klima, Ressourcenverbrauch und Tierleid aufmerksam gemacht werden. Den Zürcher Stadtrat lassen diese Anliegen kalt, Ende Juni hat er die eingereichte Initiative abgelehnt mit der Begründung, sie klammere wichtige Aspekte wie Regionalität und Saisonalität der Produkte aus.

Wegen Niederlagen gibt Meret Schneider jedoch nicht auf. Aus ihren Recherchen über die Folgen unseres Konsums hat sie Konsequenzen gezogen: Tierliche Produkte landen nicht in ihrem Einkaufskorb. Sie wolle die Industrie, die jene Produkte produziere, nicht unterstützen. Als Veganerin bezeichnet sie sich trotzdem nicht. Regelmässig durchsucht sie die Abfallbehälter von Grossverteilern nach Lebensmitteln, die in geniessbarem Zustand entsorgt wurden. Findet sie dabei zum Beispiel ein Kuhmilchjoghurt, so isst sie das. Mit diesem Konsum nehme sie ja keinen Einfluss auf die Produktion, erklärt sie.

Einfluss hat Meret Schneider in ihrer Position als Gemeinderätin in Uster, wo sie seit 2014 politisiert. Obwohl im Rat Themen wie Asyl oder Bauprojekte den Diskurs dominieren, bringt sie Vorstösse zu Umweltthemen in die Sitzungen ein. Etwa fordert sie vegane Ernährung im Spital oder den Verzicht auf Palmöl in Lebensmitteln. Langfristig möchte sie ihren Einsatz für Anliegen auf kommunaler Ebene ausdehnen, ein Sitz im Nationalrat ist ihr Ziel. Auf ihrem Weg ins nationale Parlament will sie möglichst viele Leute für Umweltthemen gewinnen. Dazu müsse die Grüne Politik aber erst aus der „Birkenstock-Ecke“ herausgeholt werden – zum Beispiel mit zeitgemässen Initiativen.