In Good Health

Dr. med Janna Scharfenberg (30) ist Ärztin mit Weiterbildung in Ayurvedischer Medizin. Sie arbeitet als Ernährungscoach sowie als Yogalehrerin und führt den Gesundheitsblog „In Good Health”. Wir haben Janna ein paar Fragen zur veganen Ernährung gestellt.

Janna, viele ÄrztInnen – vor allem der älteren Schule – sind gegenüber veganer Ernährung immer noch kritisch eingestellt. Wieso ist das so?
SchulmedizinerInnen lernen in ihrem Studium immer noch kaum etwas über Ernährung. Thematisiert wird hauptsächlich die Biochemie, als z.B. was eine Kalorie ist oder wie sich Proteine zusammensetzen. Daher fehlt ÄrztInnen häufig das Grundlagenwissen, um eine Ernährungsweise gänzlich beurteilen zu können. Zudem wird man als Arzt oder Ärztin teilweise mit „Extremfällen“ konfrontiert wie stark unterernährten Personen oder bei ausgeprägten Mangelerscheinungen. Dies widerspiegelt natürlich nicht die Gesamtheit der VeganerInnen. Denn diejenigen, die sich mit veganer Ernährung gesund und fit fühlen, tauchen ja gar nicht erst in der Praxis auf.

Wir sind der Meinung, dass man sich vegan zu 100% gesund ernähren kann. Was sagst du als Expertin dazu?
Das sehe ich absolut genauso. Gerade in der heutigen Zeit mit einer Vielzahl an pflanzlichen Produkten, vielen verschiedenen Obst- und Gemüsesorten sowie vollwertigen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten kann man eine ausgewogene vegane Ernährung erzielen, die gesund und fit hält. Zudem gibt es mittlerweile fundierte und umfassende Informationsquellen sowie eine Vielzahl an inspirierenden Kochbüchern und tollen Restaurants. Da ist sehr viel passiert in den letzten Jahren.

Worauf müssen VeganerInnen speziell achten? Evtl. nicht nur VeganerInnen?
Grundsätzlich unterscheide ich bei Ernährungsempfehlungen nicht zwischen VeganerInnen und Nicht-VeganerInnen. Denn für alle gilt, dass ein hoher Anteil an frischen Früchten und Gemüse, hochwertigen Eiweissquellen (wie z.B. Quinoa) und komplexen Ballaststoffen die Grundlage ihrer Ernährung bilden sollte. Für VeganerInnen ist natürlich die Substitution von Vitamin B12 essentiell, da dieses hauptsächlich aus tierlichen Quellen stammt. Nichtsdestotrotz sind auch Nicht-VeganerInnen nicht automatisch vor Vitamin-Mangel geschützt. Auch in der vegetarisch- und fleischessenden Bevölkerung sehe ich sehr häufig verschiedene Vitamin-Mängel, allen voran Vitamin D und Eisen. Tierliche Produkte zu essen schützt nicht automatisch vor einem Nährstoffmangel. Daher empfehle ich allen präventiv regelmässig einen Blutcheck durchführen zu lassen, um so einen Vitamin-Mangel frühzeitig zu entdecken und ausgleichen zu können.

Was gehört weiters zu einem gesunden Lebensstil?
Auf jeden Fall Bewegung und Entspannung, frische Luft, Yoga und Meditation. Zudem klare Zeitfenster, in denen PC und Smartphone einmal ausbleiben. Das Leben ist zu schön, um es nur virtuell zu verbringen.

Was macht aus deiner Sicht ein nicht „nur“ gesundes, sondern auch glückliches Leben aus?
Nur wenn es Körper, Geist und Seele gut geht, können wir von gänzlicher Gesundheit sprechen. Was nützt mir ein gesunder Körper, wenn ich den ganzen Tag tieftraurig bin? Ein erfülltes Leben bedeutet für mich, dass ich Freude habe an dem, was ich tue, dass ich selbstbestimmt lebe und mein Handeln für mich einen tieferen Sinn hat. Dieser Zustand bringt mich automatisch zu meinem persönlichen Glück. Ein fremdbestimmtes Leben, geprägt von Begriffen wie „Ich würde so gerne…“ und „Das geht doch nicht…“, wäre für mich unvorstellbar. Ich finde es sehr schade zu sehen, wie viele Menschen in diesem Modus leben, statt sich frei zu entwickeln. Uns stehen alle Möglichkeiten offen und wir sollten unser Leben in vollen Zügen leben statt uns „leben zu lassen“.

Dr. med. Janna Scharfenberg

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