Der Zero Waste-Lifestyle

TEXT: ALLEGRA WOLFF, ILLUSTRATIONEN: ESTHER PERRIG / 05.06.16

Im Badezimmer, beim Kochen, unterwegs und besonders beim Einkaufen: In jedem Bereich unseres Lebens produzieren wir bergeweise Müll. In der Schweiz werden pro Kopf jährlich etwa 30 kg Lebensmittel weggeworfen – wir reden hier nicht von Resteabfällen, sondern von geniessbarem Essen. Hinzu kommen 125 kg Plastikmüll, ein Drittel davon sind Verpackungskunststoffe.

Plastik macht uns krank

Seit gut 100 Jahren begleitet uns der vielseitige Rohstoff nun und ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Medikamente werden in Blister-Hüllen verkauft, in unserem Duschpeeling finden sich kleinste Mikro-Plastikkugeln und selbst Bio-Gemüse liegt oft in Folie eingeschweisst im Regal. Plastik ist überall. Doch der Kunststoff ist nicht unbedenklich: Viele Kunststoffprodukte wie Babyfläschchen, Folien, Plastikschüsseln, Konservendosen und sogar Kassenbons enthalten den Grundstoff Bisphenol A, auch bekannt als BPA, der als Beschichtung und Hartmacher in der Plastikproduktion eingesetzt wird. Laut dem BUND ist BPA ein „Hormongift mit fatalen Folgen“, da der Stoff bereits in kleinsten Mengen in unserem Hormonhaushalt wirkt. Bisphenol A kann sich bei Kontakt mit Lebensmitteln aus dem Produkt lösen und so zu Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen bis hin zu irreparablen Hirnschäden führen.

Plastik zerstört unsere Tier- und Umwelt

Nicht nur wir werden durch unseren Plastikkonsum krank, auch Tiere und das Ökosystem leiden sehr darunter. Recycling-Systeme weltweit geben ihr bestes, um den produzierten Müll zu säubern, aufzuarbeiten und wiederzuverwerten. Trotzdem landen etliche Tonnen an Plastik nicht in Recyclinganlagen, sondern letzten Endes im Meer – genauer gesagt im Nordpazifikwirbel, der den passenden Namen „Great Pacific Garbage Patch“ trägt. Die im Meer treibenden Plastikteilchen werden durch die ständige UV-Bestrahlung brüchig und zerkleinern sich im Laufe der Zeit. Viele Meeresbewohner verwechseln die Teilchen mit Nahrung, schlucken diese und verhungern später, weil ihr Magen nur mit Müll gefüllt war. Fische, Seehunde und Delfine verheddern sich in verlorengegangenen Fischernetzen oder grossen Plastikteilen und ersticken dann qualvoll. Jedes einzelne Stück Plastik, das jemals produziert wurde, existiert noch. Eine gruselige Vorstellung.

Den Müll verbannen

Das klingt alles ganz schön furchtbar, oder? Sowas Ähnliches dachten sich wohl auch Bea Johnson und Lauren Singer, zwei Vorreiterinnen der Zero Waste-Bewegung. Bei diesem Lebensstil geht es vor allem darum, den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen und sich des eigenen Konsumverhaltens bewusst zu werden, um reduzierter, gezielter und nachhaltiger zu konsumieren. Die beiden Zero Waste-Ikonen können ihre kompletten Abfälle in wenige Einmachgläser füllen – und das schon seit Jahren. Sie haben durch ihren Lebensstil an Zeit und Geld gewonnen, ernähren sich bewusster und führen ein viel nachhaltigeres Leben. Mit wenigen Umstellungen können alle plastikfrei(er) leben oder zumindest den eigenen Müll um ein Vielfaches reduzieren.

10 TIPPS FÜR DEINEN EINSTIEG IN DEN ZERO WASTE–LIFESTYLE

1. Lass die Plastiktüte liegen
Entscheide dich an der Kasse lieber für die Stoffvariante, oder noch besser – nimm einfach gleich deine eigene Tasche mit.

2. Verzichte auf Plastikverpackungen
Viele Lebensmittel lassen sich in Glas oder Papier verpackt kaufen. In einigen Geschäften (z.B. Bachsermärt in Zürich) gibt es sogar Stationen, an denen man sich lose Lebensmittel in mitgebrachte Behälter füllen kann.

3. Investiere in Metalldosen und Einmachgläser
Schön anzuschauen und sehr praktisch, weil sich Lebensmittel darin lagern lassen und du sogar dein Mittagessen darin mitnehmen kannst. Eine gute Alternative zu Tupperware!

4. Ersetze deine Zahnbürste
Du kannst dir deine Beisserchen auch mit einer Zahnbürste aus Bambus putzen. Sehr effektiv und ausserdem nachhaltig, da die Zahnbürste nach ihrem Ableben einfach auf den Kompost geschmissen werden kann.

5. Kompostiere deine Essensreste!
Vielleicht hast du einen Garten, das ist die einfachste Option. Du kannst dir aber auch eine Biotonne für dich und deine Nachbarn bestellen, die mit der Grünabfuhr entsorgt wird. Oder du kaufst dir einen kleinen, geruchsneutralen Küchenkomposter.

6. Kaufe lokal ein
Kaufe Gemüse, Obst und Brot auf dem Wochenmarkt. Du unterstützt damit regionale Kleinbetriebe, die Produkte sind oft biologisch erzeugt und saisonal. Tasche mitnehmen nicht vergessen!

7. DIY Kosmetik- & Pflegeprodukte
Mach deine Pflegeprodukte ganz einfach selbst, dann weisst du, was drin ist. Do it yourself-Anleitungen für Deodorants und Zahnpasta sowie weitere Tipps findest du im Blogpost Plastikfreie Morgenroutine.

8. Wasch dich mit Seife
Oma hatte wohl doch Recht. Spezielle Haarseife reinigt Haare und Kopfhaut genauso gründlich wie herkömmliches Shampoo – dafür ganz ohne Chemikalien. Die Seife der Firma „Savion” hat eine grosse Auswahl, ist tierversuchsfrei, fast komplett vegan und kommt ohne Verpackung daher. www.savion.de. Yay!

9. Reinigungsprodukte selber machen
Stelle deine Reinigungsprodukte selbst her. Waschnüsse eignen sich durch das enthaltene Saponin, welches Fett und Flecken entfernt und die Kleidung schön weich macht, hervorragend für Schmutzwäsche. Reinigungsmittel für Küche und Bad lassen sich aus Haushaltsmitteln wie Essig, Zitronenschalen, Natron und Kernseife herstellen. Hier einige Anleitungen.

10. Nicht genug Kleidungsstücke?

Mal wieder nicht sicher, was du anziehen sollst? Bevor der Kaufrausch mit dir durchgeht, halte kurz inne und überlege, was dir wirklich an Kleidung fehlt. Oft haben wir mehr als genug im Schrank und sind bloss von unseren Kombinationen gelangweilt. Solltest du wirklich ein neues Teil brauchen, schau dich auf Online-Tauschbörsen oder Flohmärkten um oder kauf in einem Second-Hand Shop ein.

Dokumentationen zum Thema

„Plastic Planet“, www.plastic-planet.de
„Plastic Paradise“, www.plasticparadisemovie.com

Websites

www.zerowasteswitzerland.ch
www.zerowastelifestyle.de

Verpackungsfrei einkaufen in Zürich

Bioladen Bachsermärt, www.bachsermaert.ch

Youtube

Lauren Singer: Trash is for Tossers www.youtube.com/trashisfortossers

Bea Johnson: Zero Waste Home www.youtube.com/zerowastehome