6 Tipps wie du auch ohne Zero Waste-Laden deinen Müll deutlich reduzierst

Innerhalb eines Jahres sind in der Schweiz eine stattliche Anzahl an Zero Waste-Läden entstanden. In vielen grösseren Städten gibt es teilweise sogar mehrere dieser Unverpackt-Geschäfte. Auch in Zürich, wo ich zu Hause bin, gibt es zwei solcher Läden, die ich regelmässig aufsuche, um den allergrössten Teil meines Bedarfs zu decken. Lucky me!

Zudem kaufe ich oft auf dem Markt, im Bioladen und in der Bäckerei ein, zum Grossverteiler gehe ich nur noch relativ selten. So einzukaufen macht mir total Freude, und auch wenn es etwas aufwendiger ist und mehr Zeit braucht, empfinde ich es als entschleunigend und weniger stressig gegenüber meinem früheren Verhalten, wo ich einfach Plastikverpackung um Plastikverpackung in meinem Einkaufswagen gelegt habe.

Heute empfinde ich Einkaufen durchaus als sinnliches Erlebnis, es ist ein langsameres Einkaufen – nicht zuletzt auch wegen dem ein oder anderen Schwätzchen in den Läden 🙂 – und es ist ein bewussteres Einkaufen, weil ich nur das kaufe, was ich brauche.

Du siehst, hier spricht jemand, dem das Ganze schon längst zur Herzensangelegenheit geworden ist.

Weniger Ungeplantes einkaufen schont Umwelt & Geldbeutel

Um zu wissen, was ich brauche, mache ich mir zu Hause einen Einkaufszettel und ordne jedem Punkt auf dem Zettel ein Gefäss oder einen Stoffbeutel zu. Und genau dies verhindert eben, mehr zu kaufen als geplant – sind alle Gefässe und Beutel voll, ist Schluss.

Ok, ehrlich gesagt nehme ich meistens noch ein bis zwei Gefässe mehr mit, für den Fall dass ich einem leckeren Granola oder veganen Keksen nicht widerstehen kann.

Mit gleich zwei Zero Waste-Läden in meiner Nähe bin ich schon sehr privilegiert, und kann mich relativ einfach organisieren mit dem abfallfreien Einkauf.

Da dies jedoch für viele (noch!) gar nicht der Normalfall ist, habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht, wie man auch ohne ein solches Geschäft seinen täglichen Müll deutlich reduzieren kann.

Hier meine 6 Tipps


1. Whole Foods: Verarbeite den Essen selber
Kaufe möglichst unverarbeitete Lebensmittel, so wie sie in der Natur wachsen. Unverarbeitete Lebensmittel kannst du als langfristige(re) Investition anschauen, wo hingegen ein Fertiggericht mit einer Mahlzeit wieder verschwunden ist und viel Abfall hinterlässt.

Je mehr du also Unverarbeitetem den Vorzug gibst, desto weniger Abfall wirst du produzieren, weil du an einer Packung Reis oder Pasta eben länger isst als an Convenience Food.

Das hat natürlich zur Folge, dass du öfters selber den Kochlöffel schwingst – aber so weisst du eben auch ganz genau, was in deinem Essen drin ist. Und obendrauf ist es so frischer, gesünder und nährstoffreicher als stark verarbeitete Produkte.

2. Take from Home
Wo du jetzt ja schon so toll gekocht hast, wieso nicht das Essen von zu Hause mitnehmen? Take from Home statt Take Away! Koch am Vorabend einfach genug, sodass du dir am nächsten Tag eine Portion zur Arbeit oder wohin auch immer mitnehmen kannst.

Befülle dir dazu einfach ein Tupperware, ein Edelstahlgefäss oder ein schönes Glas mit deinem Essen. Besteck nicht vergessen!

3. Gemüse, Früchte & Brot
Kaufe Gemüse und Früchte am besten offen im Bioladen oder auf dem Markt und das Brot in der Bäckerei. Dazu brauchst du ein oder mehrere Stoffbeutel und evtl. ein Tupperware, z.B. für Zwetschgen oder Aprikosen.

Tipp: Bevor du deine Bestellung aufgibst, wedelst du am besten bereits mit deinem Stoffbeutel und sagst, dass du die Produkte gerne dort hinein gepackt haben möchtest – ansonsten sind deine Sachen ehe du dich versiehst bereits in einem Plastik- oder Papiersack gelandet! Schnell sein ist also gefragt 🙂

PS. Auf dem Markt oder in Bioläden mit Offenverkauf kannst du oft auch eingelegte Produkte wie Oliven einfach mit bzw. in einem mitgebrachten Glas kaufen.

4. Standard-Set dabei haben
Diese Dinge solltest du für Unvorhergesehenes, zum Reste einpacken vom Apéro oder für spontane Einkäufe – man weiss ja nie – immer dabei haben. Zum Standard-Set gehören aus meiner Erfahrung (pass es gerne einfach an für dich):

– 1-2 Stoffbeutel (für Gemüse, Früchte oder Brot)
– 1 Wasserflasche (für Wasser oder Tee, zum Wiederauffüllen)
– 1 leeres Tupperware, Glas oder Edelstahlgefäss (für jeglichen Fall)
– 1 Coffeecup – damit sagst du dem Pappbecher einfach Adieu!

Gemüse und Früchte habe ich auch schon beim Grossverteiler in die Stoffbeutel gepackt, das funktioniert dort also auch bzw. hat z.B. Migros ja auch eigene (jedoch synthetische) Beutel im Angebot. Allerdings sind die nichtverpackten Angebote beim Grossverteiler meist nicht in Bioqualität, weshalb ich die Sachen eben doch lieber im Bioladen kaufe.

Anmerkung zum Bild oben: alle Produkte sind vom FOIFI – ZeroWaste Ladencafé.  Ich habe mir im Laden sozusagen die Requisiten zusammengesammelt, um ein schönes Bild hinzubekommen. War eine ganz spontane Idee beim gestrigen Besuch…

Zu Hause habe ich eine Vielzahl älterer (und nicht mehr sooo fotogener) Stoffbeutel und Tupperware, welche aber den Zweck komplett erfüllen. Bevor du dir neue Sachen für das Standard-Set kaufst, empfehle ich dir, erstmal zu schauen, was du schon alles hast – und das ist ja meist mehr als man denkt.

5. Take Away – aber clever
Da du jetzt ja immer dein Standard-Set dabei hast, kannst du auch ein Take Away-Mittagessen abfallfrei gestalten: Du hältst beim Take Away-Imbiss einfach dein leeres Tupperware hin und fragst, ob es möglich ist, dass du dein Essen so mitnehmen kannst. In den allermeisten Fällen ist dies möglich – das ist zumindest meine Erfahrung.

Tipp: In den Migros Food Courts gibt es die grünen Boxen von Recircle zu kaufen. Diese kannst du z.B. auch am tibits-Buffet auffüllen. Cool, oder? Schau her, das funktioniert wirklich:

Bedenke: Je mehr Leute am abfallfreien Einkaufen Interesse zeigen, desto grösser wird die Aufmerksamkeit auf das gesamte Thema. Also möglichst oft nachfragen 🙂

6. Selber machen
Nebst dem Kochen kannst du auch verschiedene weitere Lebensmittel, Haushalts- oder Körperpflegeprodukte selber machen. Ich mache z.B. meine Pflanzenmilch aus Mandeln selber und bin immer etwas am Rumschmökern auf www.smarticular.net. Dort findest du extrem viele Tipps zum Selbermachen – von Zahncreme bis Waschmittel.

Das alles ist natürlich mit Arbeit verbunden. Schau einfach, was für dich stimmt und machbar ist. Lieber Schritt für Schritt eine neue Gewohnheit ins Leben integrieren, als am Anfang alles wollen und dann aus Überforderung alles wieder hinschmeissen. Das wäre einfach nur schade und frustrierend. Also: take it easy!

Ich hoffe, diese Tipps ermutigen dich, auch unabhängig von einem Zero Waste-Laden einen Alltag mit weniger Abfall anzusteuern.

Du kannst die Tipps entweder kombiniert oder auch nacheinander ausprobieren.

Wichtig ist, dass eine neue Gewohnheit auch in deinen Alltag reinpasst, sodass es für dich möglich ist, sie langfristig beizubehalten.

Ich wünsche dir viel Spass und Inspiration beim Ausprobieren und freue mich, wenn du mir in den Kommentaren mitteilst, was du schon anwendest und wie es klappt oder natürlich auch, wenn du Fragen und Anregungen hast!

Alles Liebe, Sandra

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6 Gedanken zu „6 Tipps wie du auch ohne Zero Waste-Laden deinen Müll deutlich reduzierst“

  1. Liebe Sandra
    merci vielmals für diese tollen Tipps. Klar gibt es ganz tolles Mehrweg-Equiment zu kaufen. Aber ich sage auch im Unverpackt Aarau allen, bringt doch einfach mit was ihr eh schon zu hause habt. Und das ist in der Regel bereits mehr als genug!
    Ich persönlich trinke halt auch lieber keinen Kaffee als einen aus einem Pappbecher, und geniesse ihn dann umso mehr, wenn er aus einer schönen Tasse kommt. Entschleunigung pur.
    Da ich ja in der komfortablen Lage bin auch im Restaurant Samen in dieser Richtung zu pflanzen, lobe ich jede Person, die meist etwas peinlich fragt ob dies io sei, mit dem eigenen Geschirr ihr Takeaway zu holen, für ihre tolle Vorbildfunktion. Und schon gehen die Leute stolz aus dem Restaurant und kommen mit einer grossen Selbstverständlichkeit wieder mit dem eigenen Geschirr.
    Machen wir doch einfach so weiter, es macht Spass und alles andere ist doch einfach nur sinnfrei!

    1. Liebe Brigitte, bin voll deiner Meinung 🙂 Und das ist ja megatoll, dass man bei euch im Limalimon auch mit dem eigenen Geschirr vom Buffet schöpfen kann. Top! Genau, machen wir weiter und Spass macht es auf jeden Fall!

  2. Alles top Tipps liebe Sandra!
    Coffe-to-go habe ich seit bald 2 Jahren gestrichen, aus Umweltgründen und dazu spare ich dann noch.
    Also Kaffe nur noch daheim, auf der Arbeit und sonst im Kaffee in der Tasse. Dank dir habe ich auch die grünen Behälter in der Migros gekauft und-noch nie benutzt! Also noch nie take away geholt hmm :-).
    Ich habe (noch) nicht immer die Möglichkeit die Grossverteiler zu meiden, da ich wenig Zeit habe und Marktbesuche bei mir berufsbedingt immer eher auf dem Blumengrossmarkt stattfinden. Aber ich fülle alles in Beutel ab und wenn ich etwas kaufe, dass in Plastikfolie verpackt ist, fülle ich es nach der Kasse in Beutel ab und stecke die Verpackung in den kleinen Kübel. Immer mit besten Grüssen an den Filialleiter, und der Erklärung ich mache dies aus Umweltgründen. In der Filiale die ich am meisten aufsuche, kennen sie mich wohl schon. Letzthin, ich hatte keine Beutel dabei, aber Obstgelüste, bin ich mit drei Zwetschgen in der einen Hand und einem Stiel Trauben in der anderen und den zwei Etiketten von der Waage auf je einem Handrücken an die Kasse und danach ohne Etiketten mit dem Obst in jeder Hand zu meinem Blumenladen spaziert. Step-by-step, wie du vorschlägst, gehe ich meinen Weg und freue mich über jeden kleinen Fortschritt. Im Bioladen wo wir meist Montags das Wochengemüse kaufen, verwenden wir die Papiertüten meist bis sie fast keine Tüten mehr sind.
    Herzlich
    Marie-Françoise

    1. Hallo Marie-Françoise, danke für deine Message 🙂
      Oh, noch nie benutzt das grüne Teil? Bei mir ist es recht häufig im Einsatz. Steck es doch morgens einfach immer ein, dann kannst du die Trauben und die Zwetschen (auch beim Grossverteiler) einfach nach dem Wägen dort hineinlegen und die Etiketten draufkleben. Aber die Handvariante habe ich auch schon gemacht, funktioniert auch wenn es sein muss 🙂
      Ganz liebe Grüsse und auf bald, Sandra

  3. liebe sandra
    schon viele jahre hab ich die möglichkeit in glarus auf dem bio markt einzukaufen-gibt jetzt sogar eine markthalle-was schon recht „ausländisch“anmutet
    gespräche garantiert
    1mal pro woche ist die freude riesig so einkaufen zu können
    ganz än schünä gruäss us äm zigärschlitz
    barbara

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